ÖFFENTLICH GEFÖRDERTE

PROJEKTE

Geförderte Entwicklungsprojekte

Paket-KV-MD²

Nachhaltiger Paketdienst durch kombinierten Verkehr auf der letzten Meile mit Mikro-Depots in Magdeburg

Das starke Wachstum der Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) stellt die Städte vor große Herausforderungen. Die Zustellung auf der letzten Meile führt zunehmend zu Verkehrsbehinderungen und – solange klassisch mit Diesel-Transportern angeliefert wird – auch zu Lärm- und Abgasbelästigungen. Darüber hinaus ist nicht immer eine erfolgreiche Zustellung beim Kunden gewährleistet, so dass öfter als geplant angeliefert wird. Dies verschlechtert auch die Wirtschaftlichkeit der Logistikdienstleister und gefährdet die Kundenzufriedenheit.

In der Landeshauptstadt Magdeburg soll in einem Verbundprojekt der industriellen Forschung unter Führung der Mediengruppe Magdeburg und Kooperation mit der FIApro UG und dem Institut für Logistik und Materialflusstechnik (ILM) der Otto-von-Guericke-Universität (OVGU) die Paketverteilung mit einem innovativen Hub-and-Spoke-Ansatz über die Kombination von Urban-Hub, Mikro-Depot, Paketstationen und Lastenrädern entwickelt und umgesetzt werden. Im Rahmen des Verbundprojektes werden somit die logistischen Schnittstellen in der Landeshauptstadt Magdeburg weiterentwickelt und neue Umschlagtechniken für den kombinierten Verkehr (KV) realisiert. Für den KV liegt der Fokus auf dem innerstädtischen Umschlag von Straße auf Straße und zwar vom Diesel-Nutzfahrzeug (Lkw), das Pakete in die Stadt bringt, auf das Lastenrad zur Verteilung auf Quartiersebene. Dadurch wird die Feinverteilung der Pakete mit leichten Diesel-Nutzfahrzeugen, die im Durchschnitt bei der innerstädtischen Verteilung nur zu 30% ausgelastet sind, durch emissionsfreie Fahrzeuge ersetzt. Laut erster Abschätzung ergeben sich bei Umsetzung des Verbundvorhabens jährliche Einsparungen von mehreren Tonnen CO2 (ca. 3,93 t CO2/a). Ist das Verbundvorhaben in der Realisierung erfolgreich, wird die Ausweitung der Paketverteilung mit Lastenrädern angestrebt. Bei Ausweitung auf das gesamte Stadtgebiet ergibt sich bei erster Abschätzung ein jährliches Einsparpotenzial von über 22 Tonnen CO2. Würde das Konzept auf ganz Sachsen-Anhalt erweitert werden, so ließe sich mindestens das zehnfache, also jährlich über 200 Tonnen CO2 einsparen. Siehe hierzu auch Kapitel 5 dieser Vorhabensbeschreibung.

Die Kombination von Urban-Hub, Mikro-Depot, Paketstation und Lastenraddistribution im Quartier ist einzigartig. Bislang gibt es nur Pilotversuche in wenigen anderen Städten Deutschlands, die einzelne Elemente davon testen. In Magdeburg soll ein modularer Ansatz mit neuen Umschlagsystemen, Umschlaggeräten, Transporttechnologien und technischen Ausrüstungen sowie neuer Informations- und Steuerungstechnologie für den Gesamtabwicklungsprozess realisiert werden. Weiterhin soll mit diesem Verbundvorhaben erstmals eine Bündelung der Paketauslieferung auf der „letzten Meile“ durch die Mediengruppe Magdeburg über alle Paketdienstleister hinweg erfolgen. Bislang verteilt jeder Paketdienstleister selbst die Pakete bis zum Endkunden im Quartier. Betrachtet man nur die fünf großen Paketdienstleister DHL, Hermes, DPD, Fedex und UPS, fahren also täglich fünf im Durchschnitt zu 30% ausgelastete leichte Diesel-Nutzfahrzeuge in dieselben Quartiere. Zukünftig sollen die Empfänger im Einzugsgebiet der Mediengruppe Magdeburg selbst entscheiden, ob sie lieber gebündelt ihre Pakete durch die Mediengruppe erhalten wollen. In diesem Fall müssen dann die besagten Paketdienstleister im Urban-Hub der Mediengruppe anliefern. Dort erfolgt eine Bündelung aller Sendungen für ein Quartier und die Zustellung zum Empfänger über Lastenräder.

Der zentrale Paketumschlag in der Landeshauptstadt Magdeburg ermöglicht den Ausbau weiterer Geschäftsmodelle. Z.B. ermöglicht das Online-Portal „einkaufen-in-magdeburg.de“, dass Kunden bei Geschäften in Magdeburg online einkaufen und dann die Waren ebenfalls über das neuartige Hub-and-Spoke-System gebündelt mit anderen Paketen erhalten. Damit erhalten Händler die Möglichkeit neue Kundengruppen zu erschließen und einen Lieferdienst in Anspruch zu nehmen, der keine zusätzlichen Emissionen bei der Auslieferung verursacht. Weiterhin können auswärtige Unternehmen, die viele Lieferungen zu Kunden nach Magdeburg tätigen, dann einen umweltfreundlichen Weg der Zustellung via Lastenrad mit Umschlag im Urban-Hub vornehmen lassen.